Erstmals Frauen im Schützenverein (MV – 23.01.2026)

Intensive Diskussion bei den Bürgerschützen 1604

In der lokalen Schützenlandschaft hat es mit der Generalversammlung der Bürgerschützen 1604 ein Novum gegeben. Erstmals hat der älteste Schützenverein von Neuenkirchen sechs Frauen aufgenommen.

Nach intensiver Debatte waren sich die Bürgerschützen einig: Frauen dürfen Mitglieder sein und mitschießen. | Foto: Bürgerschützen 1604

Gleichstellung unter der Vogelstange? Wenn von Frauen als Mitgliedern im Schützenverein die Rede war, musste man bisher außerhalb der Gemeinde schauen, nach Emsdetten oder Rheine-Gellendorf. Im Rahmen der Generalversammlung am vergangenen Freitag sorgte der Bürgerschützenverein 1604 e.V. aber nun für ein Novum in der Neuenkirchener Schützenlandschaft.

Die Sitzbänke im Gastraum von Wilminks Parkhotel waren gut gefüllt, als Präsident Sebastian Kreyenschulte die teils von weither angereisten Bürgerschützen durch die gut dreistündige Versammlung führte. Und verkündete, dass der älteste Schützenverein nun auch der erste in Neuenkirchen ist, der Frauen aufgenommen hat.

Ein Novum nach intensiver Debatte

Nach einer intensiven Debatte beschloss die Generalversammlung die Aufnahme von sechs Frauen – ein Novum in der jahrhundertealten Schützengeschichte: Ella Ruhwinkel, Carlotta Kessler, Greta Ruhwinkel, Louisa Ott, Anni Ruhwinkel, Emma Ruhwinkel. Außerdem wurden bei den Männern Marvin Mazerath, André Krusenbaum, Hans Ruhwinkel sowie Klaus Hambrügge-Hubert als neue Mitglieder im Bürgerschützenverein begrüßt. Die Mitgliedersituation sei erfreulich: Zwei Austritten stehen zehn Aufnahmen gegenüber; so viele wie kaum zuvor innerhalb eines Jahres, heißt es vonseiten des Vereins. Die Bürgerschützen werden also künftig jünger – und nun auch weiblicher.

„Die Frage, ob Frauen bei den Bürgerschützen aufgenommen werden sollten, gibt es tatsächlich schon seit einigen Jahrzehnten“, gibt Sebastian Kreyenschulte Auskunft auf Nachfrage unseres Medienhauses. „Zum ersten Mal ist die Frage im Jahr 1999 gestellt worden und noch einmal in den späten 2000er-Jahren. Das Thema begleitete uns also schon seit zwei Generationen.“

Allerdings, hebt Kreyenschulte hervor, werden die Frauen des Vereins schon immer eingebunden, eine Trennung gibt es nicht. Es folgte eine konstruktive Debatte bei der Generalversammlung, bei der vor allem praktische Fragen im Vordergrund standen: Wie deklariert man den König, wenn eine Frau den Vogel abschießt? Wird sie weiterhin Königin genannt? Aber wie soll man dann wissen, wer im Königspaar den Vogel abgeschossen hat?

Kein Vogelschießen hat auch sein Gutes

Im weiteren Verlauf der Versammlung, nach einer Gedenkminute für die verstorbenen Schützenbrüder und Ehefrauen, nahm der umfangreiche Bericht des Schriftführers, Nico von Royen, die Bürgerschützen mit auf einen humorvoll-pointierten Rückblick ins vergangene Jahr, berichtet der Schützenverein. Ein Schützenfest ohne Vogelschießen war es gewesen. Das habe aber auch sein Gutes gehabt: Man habe so die weite Rasenfläche im Park der Villa Hecking vor dem schweren Gerät der Firma Ruhwinkel geschont, bemerkte der Berichterstatter mit einem Augenzwinkern. Spuren hinterlassen hätte stattdessen die Regentschaft des „Hannoveraner Königspaars“, Frederik Ott und Mara Hedicke, die in ihrer zweijährigen Amtszeit dem alten Traditionsverein einen ganz eigenen – jungen – Stempel aufgedrückt hätten. Von Royen erinnerte an die vielen Höhepunkte des vergangenen Jahres: an den Ballabend in der Gaststätte Clemenshafen, dessen Örtlichkeit goldrichtig gewählt gewesen sei, an die Predigt des Bürgerschützen-Geschäftsführers Ulrich Hagemann im Hochamt, an den anschließenden „politischen Frühschoppen“ mit Bürgermeister und Bürgermeisterkandidatin, ebenso an den Bürgerausmarsch im Herbst, der per Rad zum Tontaubenschießen an die Schießanlage in Rothenberge führte.

Präsident Sebastian Kreyenschulte ehrte im Rahmen der Versammlung Moritz Ruhwinkel für 25-jährige Mitgliedschaft. | Foto: Bürgerschützen 1604

Geschäftsführer Ulrich Hagemann erläuterte anschließend die finanzielle Situation des Vereins und wusste Erfreuliches zu berichten. Durch die Anhebung der Mitgliedsbeiträge und einige großzügige Spenden stehe die Einnahmenseite der Bürgerschützen auf soliden Füßen. Aus den erwirtschafteten Überschüssen werden Rücklagen gebildet, die für das 425. Jubiläum genutzt werden, das der Verein 2029 begeht. Die Kassenprüfer bescheinigten anschließend eine ordnungsgemäße Kassenführung.

Alle Blicke richten sich aufs Jubelfest

Die anschließenden Wahlen dienten dazu, die Weichen an der Vereinsspitze für die kommenden Jahre zu stellen. Dabei haben die Bürgerschützen vor allem ihr großes Jubelfest 2029 vor Augen. Mit Blick auf diese Aufgaben bestätigte die Generalversammlung Sebastian Kreyenschulte einstimmig für weitere drei Jahre im Amt des Präsidenten. Außerdem wurde Frank Lecke zum neuen Kassenprüfer gewählt. Er wird gemeinsam mit Andreas Naarmann die Kasse prüfen. Im Jubiläumskomitee werden sich künftig zwei Vorsitzende die Arbeit teilen: Thomas Hovekamp und Harald Ruhwinkel.

Ein Dank galt abschließend Karl Hagemann, der vor 21 Jahren die Idee hatte, eigeninitiativ ein Königsessen ins Leben zu rufen. Hagemann war es darum gegangen, jährlich möglichst viele Bürgerschützenkönige zusammenzubringen, um die Bindung der Könige über das Schützenfest hinaus zu festigen. Schon längst ist das Treffen eine feste Größe im Kalender der Bürgerschützen geworden. Im vergangenen Jahr hatte der langjährige Organisator angekündet, die Veranstaltung in jüngere Hände legen zu wollen: Harald Ruhwinkel wird in die Fußstampfen seines Vorgängers treten und künftig das Königsessen ausrichten.

Und dabei wird vielleicht in ein paar Jahren erstmals eine Frau als diejenige dabei sein, die den Königs-, pardon. Königinnenvogel der Bürgerschützen abgeschossen hat.

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